Archangelos bei Sonnenschein und Düsseldorf bei Regen
15. Tag (Donnerstag, 31.07.97)
ist es so weit, die letzten Stunden eines wirklich schönen Urlaubs
haben begonnen. Da wir erst heute Abend abfliegen werden, sind wir froh,
dass wir unser Zimmer nicht räumen müssen, sondern es noch bis
17 Uhr behalten können. Nachdem wir noch ein letztes Mal ausgiebig unseren
Hotelpool genutzt haben, holen wir das nach, was wir in den letzten beiden
Wochen immer vor uns her geschoben hatten, nämlich eine ausführliche
Besichtigung unseres hübschen Dorfes Archangelos. Schließlich
hat das mit rund 5000 Einwohnern größte Dorf von Rhodos eine ganze
Menge Sehenswertes zu bieten. Trotz des Tourismus, der hier in den letzten
Jahren leise seinen Einzug gehalten hat, hat Archangelos sich seinen
besonderen Charme bewahrt. Hier findet man sie noch: die für griechische
Dörfer typischen weiß gekalkten Häuser mit ihren vor allem blau
und grün angemalten Türen und Fensterrahmen, die hübschen engen
Gassen und vor allem auch die ruhigen und gelassenen Menschen, die viel mehr
Zeit zu haben scheinen als die Besucher aus dem hektischen Mitteleuropa.
An der Kirche "Michail Archangelos" im Zentrum des
Dorfes steht ein altes Mütterchen im Eingang ihres Hauses und winkt uns
freundlich zu sich heran. Obwohl wir nicht verstehen, was sie zu uns sagt,
können wir ihren Gesten entnehmen, dass sie uns ihre Wohnung zeigen
möchte. Als wir in ihrem typisch griechisch eingerichteten kombinierten
Wohn- und Schlafraum stehen, werden wir einfach das Gefühl nicht los,
diesen Raum bereits von irgendwoher zu kennen. Erst später wird uns klar,
weshalb: ein Foto genau dieses Zimmers hatten wir einige Tage zuvor in unserem
Hotel in einem Heftchen über Archangelos gesehen.
Nachdem wir uns auch noch den am Ortsrand gelegenen beeindruckenden alten
Friedhof sowie die gegenüberliegende Polizeistation angeschaut haben,
ist es fast schon so weit: um 17 Uhr sollen wir an der Hauptstraße von
dem Bus abgeholt werden, der uns zum Flughafen bringen soll. Jacob, der uns
gestern versprochen hatte, uns mit unseren Koffern zur Hauptstraße zu
fahren, muss uns wohl irgendwie vergessen haben, denn er ist weit und
breit nirgends zu sehen. Um fünf Minuten vor 17 Uhr, als wir uns gerade
zu Fuß auf den Weg machen wollen, trudelt er dann doch noch ein; unsere
mitteleuropäische Hektik kann er irgendwie ganz und gar nicht nachvollziehen.
In aller Seelenruhe lädt er unsere Koffer in seinen Wagen und fährt
mit uns gemütlich zur Hauptstraße, wo wir tatsächlich noch 10
Minuten auf den Bus warten müssen.
Entgegen aller Horrorberichte, die wir zuvor von mehreren Seiten gehört
hatten, herrscht auf dem Flughafen zwar hektische Betriebsamkeit, aber
keineswegs ein unerträgliches Chaos und wider Erwarten klappt alles
pünktlich und problemlos. Zwar funktioniert immer noch keiner der
zahlreichen Monitore, die die Abflugzeiten anzeigen sollen, dafür sind die
Lautsprecheransagen aber gut verständlich. Pünktlich um 20:20 Uhr
startet der Airbus mit uns an Bord Richtung Deutschland. Als die Maschine 10
Minuten früher als erwartet um 22:30 Uhr zur Landung auf dem
Düsseldorfer Flughafen ansetzt, dauert es noch eine knappe Stunde, bis wir
endlich mit unseren Koffern durch den Zoll kommen. Hier werden wir schon
winkend und schreiend von unseren Freundinnen Tina und Julia mit Luftballons
empfangen. Spätestens jetzt wissen wir, dass wir wieder zuhause sind
- und wie könnte es anders sein: es regnet. Iassas Düsseldorf!
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