Auf den Spuren der Schwammtaucher: ein Tagesausflug zur Insel Simi
12. Tag (Montag, 28.07.97)
Heute soll unser Tagesausflug zur Insel Simi stattfinden, die sich in
der Nähe der türkischen Küste befindet, und sich vor allem durch
die Schwammtaucherei einen Namen gemacht hat. Da wir ziemlich früh
abgeholt werden sollen, sind wir schon um 6 Uhr wach und machen uns nach einer
Tasse Kaffee auf in den Ort, wo der Bus uns auflesen soll. Zum Glück haben
wir noch Zeit, zwei gefüllte Croissants aus der Bäckerei zu essen,
bevor der Bus kommt. Kurz vor 9 Uhr kommen wir in Rhodos Stadt am Hafen an, wo
schon die Fähre wartet.
Die Überfahrt nach Simi gestaltet sich unerwartet turbulent, da
trotz des schönen Wetters die See sehr unruhig ist. Als einige
größere Wellen an Bord schwappen, wird etwa die Hälfte der
Passagiere, die oben auf dem Sonnendeck die Aussicht genießen,
völlig durchnäßt. Obwohl wir auch oben waren, sind wir den
Wellen knapp entkommen. Nach knappen zwei Stunden Fahrt, die uns zum Teil sehr
nah an der türkischen Küste vorbeiführt, legt die Fähre am
Kloster Moni Panormitis an, das sich im Süden der Insel befindet.
Hier haben wir etwa eine halbe Stunde lang Gelegenheit, uns ein wenig in der
Klosteranlage umzuschauen, die als eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten
des Dodekanes gilt, und Übernachtungsmöglichkeiten
für mehr als 500 Personen bietet.
Nach diesem kurzen Aufenthalt geht es mit der Fähre weiter um die Insel
Simi herum, bis wir schließlich am Hafen des gleichnamigen
Hauptortes anlegen. Bevor es von Bord geht, erzählt unser Reiseleiter uns
noch, was wir während der drei Stunden Aufenthalt mit ihm oder auch ohne
ihn im Ort unternehmen können. Wir entschließen uns, erst einmal bei
unserer Gruppe zu bleiben und uns die Ausführungen zur Insel und zu den
Schwammtauchern anzuhören. Seinem Geheimtip für das Mittagessen
folgen wir allerdings nicht mehr, sondern suchen uns lieber eine etwas kleinere
Taverne aus. Auch den Rest des Aufenthaltes verbringen wir auf eigene Faust, da
wir bei der Hitze keine sonderliche Lust verspüren, mit der Gruppe zur
Akropolis hinaufzuklettern. Stattdessen schlendern wir gemütlich durch den
Ort und schauen uns die hübschen weißen und erdfarbenen Häuser
an, die malerisch am Hang angelegt sind.
Da für die Bewohner von Simi das Tauchen nach Schwämmen lange
Zeit die Haupterwerbsquelle war und auch heute noch an jeder Ecke echte
Schwämme verkauft werden, wollen natürlich auch wir nicht ohne ein
Souvenir zurückfahren; nach längerem Handeln erstehen wir also in einem
Laden noch ein paar Schwämme, bevor es zurück nach Rhodos geht. Wir sind
uns einig, dass dieser Tagesausflug sich wirklich gelohnt hat, obwohl wir im
Nachhinein der Ansicht sind, dass wir den Trip auf eigene Faust sicherlich
genauso gut und deutlich billiger hätten machen können.
Gerade als wir es uns in unserem Hotelzimmer bequem gemacht haben, um uns von
unserem Ausflug ein wenig zu erholen, klopft es an der Zimmertür. Es ist
der Fahrer der Autovermietung, der uns die Schlüssel für unseren
nächsten Wagen in die Hand drückt. Die Freude darüber, nach
unserem doch recht betagten und klapprigen Suzuki endlich wieder einen
zuverlässigeren fahrbaren Untersatz zu bekommen, lässt schnell
nach, als wir einen Seat Marbella zu sehen bekommen, der bereits 75000
Kilometer auf der kleinen Insel hinter sich gebracht hat. Aber was soll's,
schließlich zahlen wir ja auch viel weniger als für den von
Deutschland aus gebuchten Corsa. Als der Fahrer gerade wieder verschwinden
will, fällt uns ein, dass wir ja für diesen Wagen noch gar
keinen Vertrag unterschrieben haben. Da er gerade kein Formular zur Hand hat,
löst er dieses Problem auf südländisch unkonventionelle Weise,
indem er sich von uns den Vertrag vom Suzuki geben lässt und die
wichtigsten Daten ganz einfach durchstreicht und neu daneben schreibt.
Wir entschließen uns, noch heute Abend eine erste Testfahrt mit unserem
neuen Auto zu machen. Als Ziel wählen wir den Geheimtip von Anka und
Hendrik aus: das Restaurant "Xenomania" in der Nähe von
Lindos. Ein kleiner Schotterweg, der ziemlich steil nach oben
führt, endet an einem Parkplatz vor dem Restaurant. Anka und Hendrik
hatten nicht zu viel versprochen: von der im griechischen Stil urig dekorierten
Terrasse haben wir einen wirklich traumhaften Blick auf Lindos und die
Akropolis. Die Küche befindet sich direkt neben der Terrasse im Freien
unter einem aufgespannten Tuch, sodass wir den Besitzer bei seinem
künsterlischen Schaffen beobachten können. Wir entscheiden uns
für das Fondue, das mit einem Preis von 10000 drs (ca. DM 65,00 bzw. EUR 33,00)
für zwei Personen durchaus noch bezahlbar ist. Da die Sonne bereits untergegangen
ist, haben wir einen wunderschönen romantischen Blick auf die kleinen beleuchteten
Häuser von Lindos. Erst nach drei Stunden können wir uns gegen Mitternacht von
diesem faszinierenden Anblick losreißen. Auf dem Balkon beenden wir diesen rundum
gelungenen Abend noch gemütlich bei einem Glas Wein.
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