Das Kastellos Kamiros, ziemlich viele Steine und der Berg Filerimos
11. Tag (Sonntag, 27.07.97)
Da am heutigen Sonntagmorgen noch alle Geschäfte geschlossen haben,
beschränkt sich unser Frühstück, für das wir leider nicht
vorgesorgt haben, auf Kaffee und Bananen. Anschließend machen wir uns
über Kolimbia, Eleussa und Kretinia auf zum Kastellos
Kamiros, der besterhaltensten Johanniterburg auf Rhodos, die aus dem 15.
Jahrhundert stammt. Zu der auf einem Hügel liegenden Burg führt eine
gut ausgebaute Straße. Oben angekommen werden wir von einem alten
Mütterchen angehalten, das erstaunlich schnell aus einem kleinen
Büdchen gesprungen kommt und sich mit einem lauten "Stopp!",
das sie noch mit einem energischen Handzeichen unterstreicht, vor unserem Wagen
aufbaut. Als wir ihre Frage "English? Deutsch?"
wahrheitsgemäß beantworten, drückt sie uns ein Blatt mit einem
deutschen Text in die Hand, auf dem wir lesen können, dass sie es
sei, die ohne Bezahlung für die Sauberkeit in der Burg sorge und dass
wir sie doch dafür unterstützen mögen. Da sie weiterhin direkt
vor unserem Wagen steht, lässt sie uns kaum eine Wahl. Mit der einen
Hand hält sie uns eine Flasche mit klarem Schnaps entgegen, in der anderen
Hand hat sie eine Tüte mit zwei Melonen. Die Entscheidung, wofür wir
1000 drs (ca. DM 6,50 bzw. EUR 3,30) bezahlen möchten, überlässt
sie uns. Nach kurzem Verhandeln gelingt es uns, den "Wegezoll" auf eine Melone
für 500 drs herunterzuhandeln, und wir können schließlich doch noch bis
zur Burg weiterfahren. Für die kurze Kletterpartie hinauf zur recht interessanten
Burgruine werden wir schließlich durch eine wunderschöne Aussicht
belohnt.
Unser zweites Ziel für heute ist die Ausgrabungsstätte Kamiros.
Für 800 drs (ca. DM 5,00 bzw. EUR 2,60) pro Person bekommen wir Zutritt zu
der sehr weitläufigen Anlage, die als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten
der Insel gilt. Dass wir nicht so viel für die Ausgrabungen
übrig haben, liegt wohl in erster Linie an der Sonne, der wir auf diesem
freien Gelände völlig schutzlos ausgeliefert sind. Wie Willy vor der
Abreise gestern noch zu uns sagte: "Ziemlich viele Steine. Wer's
mag...".
Nach weniger als einer halben Stunde haben wir das Gelände wieder
verlassen und genießen den erfrischenden Fahrtwind auf unserer
Weiterfahrt zum Berg Filerimos. Auf diesem Berg soll einst die Akropolis
des antiken Ialissos gestanden haben, das zu den bedeutendsten
Stadtstaaten der Insel gehörte. Heute ist es ein beliebtes
Naherholungsgebiet, da es auf dem 267 Meter hohen Plateau selbst im Sommer
relativ kühl ist. Auf dem Berggipfel, der eine wunderschöne Aussicht
bietet, befindet sich eine sehr schön gestaltete Anlage mit
Baudenkmälern aus verschiedensten Epochen. Gegenüber der Anlage
beginnt ein sehr schön schattiger Kreuzweg, an dessen Ende sich ein
riesiges Kreuz befindet, von dessen Fuß aus wir eine herrliche Aussicht
auf Ialissos und die Küste haben.
Den heutigen Abend verbringen wir damit, das zu tun, was wir eigentlich immer
bis fast zum Ende aufschieben, nämlich Postkarten zu schreiben.
Anschließend essen wir ein zweites Mal bei Tsambiko, bevor wir den Abend
wieder zusammen mit Anka und Hendrik in der "Cafeteria
Santana" beschließen. Auf der Terrasse der gegenüberliegenden
Taverne wird ein griechischer Liederabend veranstaltet. Wir hören dem
Sänger noch eine Weile zu und schaffen es, heute schon vor Mitternacht ins
Bett zu kommen, da wir morgen früh für unseren Ausflug nach
Simi ausgeschlafen sein wollen.
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