Ein Begrüßungscocktail und die ersten Eindrücke
2. Tag (Freitag, 18.07.97)
Geweckt werden wir heute Morgen durch ein lautes, monotones Geräusch, das
durch die offene Balkontür in unser Zimmer dringt. Erstaunt ziehen wir uns
an und machen uns auf die Suche nach der Ursache. Unsere Vermutung, dass
Jacob vielleicht gerade frisches Wasser in den Pool füllt, bestätigt
sich nicht. Das Becken ist randvoll mit Wasser und weit und breit ist kein
Schlauch zu sehen. Dafür biegt Jacob gerade um die Ecke, sieht unsere
erstaunten Blicke, geht auf einen Olivenbaum zu und winkt uns zu sich heran. Hier zeigt
er uns die Ursache für den ohrenbetäubenden Lärm: Zikaden. Das
Zirpen dieser kleinen Tierchen, die für den Mittelmeerraum typisch sind,
begleitet einen fast auf der ganzen Insel von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang, wie er uns erklärt. Er versichert uns aber auch,
dass wir das Geräusch nach einigen Tagen gar nicht mehr hören
werden. Tatsächlich sollte er damit recht behalten.
Um eine Erfahrung reicher frühstücken wir auf der Hotelterrasse, wo
Jacobs Frau Maria für uns bereits den Tisch gedeckt hat. Da uns das
Frühstück nicht so ganz überzeugt, und wir es sowieso extra
bezahlen müssen, beschließen wir, ab morgen die Kochecke unseres
Zimmers auszunutzen, und unser Frühstück selbst zu machen.
Während wir auf unserem Weißbrot mit der süßen Marmelade
herumkauen, kommt ein Pärchen aus dem Hotel auf die Terrasse und leistet
uns beim Frühstück Gesellschaft. Die beiden stellen sich uns als
Marianne und Willy vor. Nach einem netten Plausch, bei dem wir erfahren,
dass die zwei aus Krefeld und damit aus der gleichen Gegend wie wir
kommen, verabreden wir uns für den Abend zum gemeinsamen Essen im Dorf.
Der heutige Vormittag ist bereits verplant, da wir uns entschlossen haben, am
Begrüßungscocktail unserer Reiseleitung mit anschließender
Informationsveranstaltung teilzunehmen; schließlich ist es unser erster
Urlaub auf Rhodos. Pünktlich um 9:30 Uhr holt uns ein Bus am
Schulgebäude an der Hauptstraße ab und bringt uns zusammen mit
weiteren Urlaubern nach Kolimbia. Die Diskothek, in der die
Begrüßung stattfindet, ist erfreulicherweise klimatisiert. Da wir
wegen der frühen Uhrzeit und der Hitze auf den Begrüßungssekt
verzichten, begnügen wir uns mit einem Glas Orangensaft, der, wie sich
bald herausstellt, für uns das Highlight der ganzen Veranstaltung ist.
Schon bald entpuppt sich die Informationsveranstaltung als eine Art Werbung
für die organisierten Ausflüge unseres Reiseveranstalters. Anstelle
der erwarteten Informationen über Land, Leute und Ausflugsziele, bekommen
wir das Programm der angebotenen Ausflüge heruntergebetet.
Nachdem wir diese recht überflüssige Veranstaltung hinter uns
gebracht haben, verbringen wir den weiteren Tag damit, in Archangelos
ein paar Dinge für unser zukünftiges Frühstück einzukaufen,
und am Pool mit Hilfe von Straßenkarte und Reiseführer unsere ganz
persönlichen Ausflüge für die nächsten Tage zu planen.
Um 18:30 Uhr treffen wir, wie verabredet, Marianne und Willy in der Hotelhalle
und ziehen mit den beiden los ins Dorf. Sie gehen mit uns in ihre
Lieblingstaverne zu Emanuel, einem alten Griechen mit einem langen,
weißen Rauschebart, der - wie könnte es anders
sein - etliche Jahre in Krefeld gelebt und gearbeitet hatte. Bei Bauernsalat,
gebackenem Schafskäse, Gyros, Souflaki, ziemlich viel Bier und lauwarmem
Ouzo verbringen wir einen recht unterhaltsamen Abend. Dennoch kann uns die
überschwängliche Herzlichkeit, mit der Emanuel und seine Frau Maria uns
verabschieden, nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir an diesem
Abend für relativ viel Geld nur ein mäßiges Abendessen bekommen
haben. Ausklingen lassen wir den Abend zusammen mit Marianne und Willy in der
"Cafeteria Santana" an der Hauptstraße, die von dem
Holländer Jap und der deutschen Reiseleiterin Andrea geführt wird.
Gegen 1 Uhr liegen wir dann schließlich in unseren Betten.
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