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Djerba und Südtunesien 1998
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Eine Inselrundfahrt mit dem Minizug

7. Tag (Sonntag, 06.12.98)

Mit einem Minizug starten wir zu einer halbtägigen Inselrundfahrt. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Der heutige Vormittag ist schon verplant, denn um halb neun soll unsere halbtägige Inselrundfahrt mit dem Minizug starten. In der Hotelzufahrt steht der Zug auch tatsächlich schon bereit, doch weit und breit sind weder der Fahrer noch andere Fahrgäste zu sehen. Um kurz vor neun schlendern wir Richtung Hauptstraße und erspähen eine kleine Gruppe von Leuten, die verzweifelt versuchen, einen Kutscher loszuwerden, der sie zu einer Rundfahrt überreden will. Schnell finden wir heraus, dass auch sie auf den Minizug warten, ihnen jedoch gesagt wurde, er würde sie an der Hauptstraße aufnehmen. Als wir mit der Gruppe den in der Zufahrt versteckten Zug erreichen, schlendert eine Gestalt vom nahegelegenen Taxistand gemütlich auf uns zu und entpuppt sich rasch als unser Fahrer. Unser erstes Ziel auf der verspäteten Rundfahrt ist der Römerdamm. Obwohl wir diese "Attraktion" schon kennen, sind wir froh, aus dem doch recht unbequemen Zug aussteigen und uns die Füße vertreten zu können. Der zuerst etwas reserviert wirkende Fahrer taut ein wenig auf, als er merkt, dass er sich auf französisch mit uns unterhalten kann. So erfahren wir auch, welche Ziele wir als Nächstes ansteuern werden.

Im Töpferdorf Guellala ist die Töpferkunst schon seit dem letzten Jahrhundert der Haupterwerbszweig. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Entlang der Hauptstraße von Guellala befindet sich eine ganze Reihe von Geschäften und Verkaufsausstellungen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

In Guellala erklären die Händler interessierten Besuchern auch die Grundlagen ihres Handwerks. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Unseren nächsten Halt machen wir im Töpferdorf Guellala, für dessen Bewohner die Töpferkunst schon seit dem letzten Jahrhundert der Haupterwerbszweig ist. So befinden sich entlang der Hauptstraße eine ganze Reihe von Geschäften und Verkaufsausstellungen, in denen die Händler interessierten Besuchern auch die Grundlagen ihres Handwerks erklären. Als wir gerade einen dieser Ausstellungsräume betreten wollen, begrüßt uns freundlich ein Araber in einem dunklen Anzug, der an einem Tisch vor einem nahegelegenen Café sitzt. Erstaunt grüßen wir zurück und betreten den Laden, wo uns ein Junge die Herstellung eines Kruges demonstriert. Plötzlich steht der Mann aus dem Café neben uns und fragt, ob wir ihn nicht mehr kennen. Einen Augenblick später ist uns alles klar: es ist unser Jeepfahrer Ibrahim. Dass er Sonntags sein arabisches Outfit gegen einen Anzug eintauscht, hatten wir nicht erwartet. Seine spontane Einladung zu einem Kaffee nehmen wir gerne an und so sitzen wir schon wenig später mit ihm zusammen vor dem Café. Gaby nutzt die Gelegenheit, ihn zu fragen, ob arabische Frauen tatsächlich Wasserpfeife rauchen. Mit einer verächtlichen Geste erklärt er uns, dass nur schlechte Frauen rauchen oder gar ausgehen und Bars besuchen. Der gute Ibrahim würde an europäischen Frauen sicher keine Freude haben... Nachdem wir uns noch ein paar Minuten nett unterhalten haben, trennen sich unsere Wege wieder, da Ibrahim auf einer Inselrundfahrt mit dem Jeep unterwegs ist und auch unsere Fahrt mit dem Minizug weitergeht.

Die Synagoge La Ghriba wirkt recht modern, da das Bauwerk in seiner heutigen Form erst 1920 entstanden ist. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Das dritte und letzte Ziel unserer Rundfahrt ist die Synagoge La Ghriba in der Nähe der Ortschaft Erriadh. Das Bauwerk in seiner heutigen Form wirkt recht modern, da es erst 1920 entstanden ist, in seinen Ursprüngen reicht es aber viel weiter zurück. So soll der Vorgängerbau bereits von den ersten jüdischen Flüchtlingen errichtet worden sein, die 587 v. Chr. nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar nach Djerba geflohen waren. Überhaupt reicht die Geschichte der Juden in Tunesien erstaunlicherweise viel weiter zurück als die der Moslems. Erst nach der Gründung des Staates Israel setzte ab 1948 eine Abwanderung in großem Stil ein, sodass heute auf Djerba nur noch eine winzige Minderheit die lange Tradition der jüdischen Gemeinde weiterhin aufrechterhält.

Ohne Schuhe, dafür aber mit Kopfbedeckung haben wir erfreulicherweise die Möglichkeit, die Synagoge La Ghriba zu betreten. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Auch Gaby hat sich mit einem geliehenen Kopftuch für den Besuch der Synagoge passend eingekleidet. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Ein alter Jude in der Synagoge bessert sein Taschengeld auf, indem er von jedem Besucher in schroffem Ton Geld und Zigaretten fordert. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Ohne Schuhe, dafür aber mit Kopfbedeckung haben wir erfreulicherweise die Möglichkeit, die Synagoge zu betreten und uns in ihrem Innern in Ruhe umzuschauen. Ein alter Jude, der zusammengekauert auf einer Bank sitzt, fordert in recht schroffem Ton einen Dinar von uns. Wir entrichten den Obolus und werden daraufhin auch von ihm in Ruhe gelassen. Erst als wir die Synagoge verlassen wollen, will er einen weiteren Dinar von uns haben. Als wir ihm auf französisch erklären, dass wir bereits bezahlt haben, gibt er sich schließlich auch mit einer Zigarette zufrieden, die er murmelnd zu dem bereits neben ihm liegenden stattlichen Vorrat legt.

Im orientalischen Café des Hotels nutzt Michael die Möglichkeit, eine Wasserpfeife zu rauchen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Unsere recht kurze Inselrundfahrt ist gegen Mittag nach dem Besuch der Synagoge beendet, so dass wir den Rest des Tages zur freien Verfügung haben. Bei einem Einkaufsbummel erstehe ich für Gaby als Nikolauspräsent ein tunesisches Kochbuch in deutscher Sprache nebst der notwendigen Grundausstattung in Form von zwei Paketen Couscous. Wir werden uns überraschen lassen, ob uns das Nationalgericht bei uns zu Hause genauso gut schmeckt wie hier in südlicher Sonne. Den Rest der Zeit und das traumhafte Wetter nutzen wir dazu, um am Pool noch etwas Sonne zu tanken, da unser Urlaub sich bereits mit raschen Schritten dem Ende entgegen neigt. Nach dem Abendessen entschließen wir uns, dem orientalischen Café des Hotels einen Besuch abzustatten, weil wir am Tag zuvor gehört hatten, dass man hier auch probeweise einmal Wasserpfeife rauchen kann, ohne allzu unangenehm aufzufallen. Zu der Wasserpfeife bestellen wir Pfefferminztee und probieren außerdem Boukha, einen recht starken klaren Feigenschnaps, der nicht ganz unschuldig daran ist, dass wir heute recht früh ins Bett kommen.



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