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Djerba und Südtunesien 1998
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Ein Tagesausflug zu Speicherburgen, Oasen und Höhlenwohnungen

3. Tag (Mittwoch, 02.12.98)

Der Römerdamm beginnt im Süden der Insel bei El Kantara und verbindet Djerba mit dem tunesischen Festland. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Am heutigen Morgen müssen wir so richtig früh aus den Federn, weil wir noch in Ruhe frühstücken wollen, bevor wir um kurz nach 7 Uhr zu unserem gebuchten Busausflug abgeholt werden, der uns in den Süden Tunesiens bringen wird. Nach einer relativ kurzen Fahrt an der Küste entlang überqueren wir den Römerdamm, der im Süden der Insel bei El Kantara beginnt und Djerba mit dem tunesischen Festland verbindet. Diese Verbindung verdankt ihren Namen der Tatsache, dass hier bereits die Römer einen Damm zum Festland gebaut hatten, der bis ins sechzehnte Jahrhundert bestand. Die heutige fast sieben Kilometer lange Dammstraße wurde allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebaut; parallel dazu verlaufen Rohrleitungen, die in erster Linie die Touristenhotels der Insel mit Süßwasser versorgen.

Den einzigen Ghorfa-Komplex, der in Medenine heute noch erhalten ist, haben findige Händler zu einer Art Einkaufszentrum für Souvenirs umgewandelt. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Wer nichts zu verkaufen hat, der versucht auf andere Weise die eine oder andere Münze zu verdienen; so wie der alte Tunesier, der fotogen neben einem alten Spinnrad posiert und von jedem Touristen, der ihn fotografieren will, lautstark nach einem Dinar verlangt. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Unser erstes Ziel ist die Stadt Medenine, in der sich bis in die 50er Jahre hinein die größte Ansammlung der für Südtunesien so charakteristischen Ghorfas befand. Diese meist mehrstöckigen Speicher dienten den Halbnomaden während ihrer Wanderschaft zur sicheren Lagerung ihres Besitzes. Diese Ghorfas sind dabei immer zu ganzen Komplexen zusammengefasst, die dann als Speicherburg oder Ksar bezeichnet werden. Während der bis 1956 dauernden Kolonialzeit ebneten die Franzosen im Zuge falsch verstandener Stadtsanierung fast alle Ghorfas ein, sodass heute in Medenine nur noch ein einziger Ghorfa-Komplex erhalten ist. Leider ist nicht daran zu denken, gemütlich durch dieses Kulturdenkmal zu schlendern, da findige Händler es zu einer Art Einkaufszentrum für Souvenirs umgewandelt haben.

Selbst in diesem Touristenzentrum lässt sich noch ursprüngliches Leben entdecken, wenn man einmal in die alten Gassen blickt. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Von den Dächern der Ghorfas hat man einen schönen Blick in die dahinter liegenden schmalen alten Gassen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

In jeder freien Ecke bieten sie lautstark ihre Teppiche, Tonkrüge, Wandteller und Plüschkamele feil und stürzen sich geradezu auf die Touristen. Und wer nichts zu verkaufen hat, der versucht auf andere Weise die eine oder andere Münze zu verdienen; so wie der alte Tunesier, der fotogen neben einem alten Spinnrad posiert und von jedem Touristen, der ihn fotografieren will, lautstark nach einem Dinar verlangt. Aber selbst in diesem Touristenzentrum lässt sich noch ursprüngliches Leben entdecken, wenn man einmal über eine der Treppen auf die Dächer der Ghorfas hinaufsteigt und in die dahinter liegenden schmalen alten Gassen blickt.

Auf dem Markt in Mareth steigt einem der Duft von frisch gemahlenen Gewürzen in die Nase. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Auf unserer weiteren Fahrt legen wir einen kurzen Zwischenstopp in Mareth ein. Das Einzige, was dieses kleine Straßendorf 36 km nordöstlich von Medenine zu bieten hat, ist ein recht großer Markt, auf dem wir uns unter die einheimische Bevölkerung mischen. In dem engen Gedränge auf den staubigen Wegen steigt uns der Duft von frisch gemahlenen Gewürzen in die Nase. Zwar hört man auch hier den einen oder anderen Marktschreier, aber verglichen mit dem Touristenmarkt in Medenine geht es hier erstaunlich ruhig zu.

Die Erkundung der Oase Gabès wird zu einem recht amüsanten und gleichzeitig auch ganz bequemen Erlebnis, da wir sie mit Pferdedroschken vornehmen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Eines der Hauptziele auf unserem heutigen Ausflug ist die Oase Gabès, die den Hauptanziehungspunkt der gleichnamigen größten Stadt Südtunesiens bildet. Diese etwa 1.000 Hektar große Dattelpalmenoase mit mehr als 300.000 Palmen ist in mehrere kleinere Ortschaften eingebettet. Die Erkundung der Oase wird zu einem recht amüsanten und gleichzeitig auch ganz bequemen Erlebnis, da wir sie mit Pferdedroschken vornehmen. Überall an den Straßenrändern warten schon Kinder auf die Kutschen und laufen mit Orangen und anderen Früchten ein ganzes Stück nebenher, um sie für ein paar Millimes zu verkaufen. Ebenfalls am Straßenrand wird der als vorzüglich geltende Palmwein Laghmi angeboten. Zwar hat die Oase weiter keine aufregenden Attraktionen zu bieten, dafür lässt sie uns aber für eine gute halbe Stunde in eine ganz andere Welt eintauchen; die intensive Bewässerung sorgt für eine grüne Landschaft, die man sonst in dieser Region vergeblich sucht.

Die unterirdische Wohnanlage wurde zu einem Hotel mit angeschlossenem Restaurant umgebaut. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Die ungewöhnliche, fast unwirklich erscheinende Kraterlandschaft von Matmata diente auch als Filmkulisse für die Starwars-Trilogie. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Um die Mittagszeit erreichen wir eine unterirdische Wohnanlage, die zu einem Hotel mit angeschlossenem Restaurant umgebaut wurde. Das Restaurant besteht dabei aus einem Innenhof mit mehreren unterirdisch angelegten Räumen, in denen lange Tische und Holzbänke stehen. In dieser wirklich urigen Umgebung wird uns ein hervorragendes Couscous mit Rindfleisch serviert. Nach dieser wohlverdienten Pause nähern wir uns dem wohl interessantesten Teil unseres Ausflugs, dem Bergland von Matmata. Als wir diese ungewöhnliche, fast unwirklich erscheinende Kraterlandschaft erblicken, wird uns schnell klar, weshalb sie als Filmkulisse für die Starwars-Trilogie ausgewählt wurde. Dass sie als eines der beliebtesten Ausflugsziele Südtunesiens gilt, liegt aber eher an den Höhlenwohnungen, von denen einige auch heute noch Berbern als Unterkunft dienen. Genauso wie unser Restaurant bestehen auch diese Wohnanlagen aus einem Innenhof, der in einen Hügel oder Hang eingesenkt ist, sowie den angrenzenden unterirdisch angelegten Räumen.

Auf halbem Weg zur Höhlenwohnung macht der Dromedarführer ein Foto von uns dreien. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Am "Taxistand von Matmata" warten die Dromedare darauf, arglose Touristen zur Höhlenwohnung zu bringen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Wir werden die Möglichkeit haben, eine der noch bewohnten Höhlenwohnungen zu besichtigen. Die Bewohner verdienen sich ihren Lebensunterhalt, indem sie zweimal wöchentlich Touristen durch ihre Wohnung strömen lassen. Doch leider führt keine gut ausgebaute Straße zu dieser Vorzeigewohnung, sodass wir unseren bequemen Platz im Bus verlassen müssen, um uns zum Taxistand von Matmata zu begeben. Zwar machen die Dromedare, die dort auf ihre Opfer lauern, auf uns Pauschaltouristen keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck, aber andererseits wollen wir uns dieses Erlebnis keinesfalls entgehen lassen. Dank unseres erfahrenen Dromedarführers gelingt der Start ohne Probleme. Um auf halbem Weg ein paar Fotos von uns beiden auf dem Dromedar schießen zu können, drückt er uns plötzlich die Zügel in die Hand und gibt uns mit einem Grinsen in arabisch angehauchtem französisch ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg. Dass wir unser Ziel trotzdem wohlbehalten erreichen, verdanken wir wohl weniger dieser Kurzausbildung als vielmehr der Gutmütigkeit unseres Dromedars.

Am Eingang zur Höhlenwohnung sitzt ein fürchterlich hustendes Mütterchen, mahlt Getreide und hofft auf ein paar Millimes von den Touristen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

In der Höhlenwohnung haben wir die Möglichkeit, vollständig eingerichtete und noch bewohnte Räume anzuschauen. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Hier und da holt den Besucher die Gegenwart in Form von einigen modernen Ausstattungsmerkmalen wieder ein, wie etwa das Bild einer Fußballmannschaft an der Wand. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Während die Dromedare sich in der prallen Nachmittagssonne ausruhen, steht uns noch ein kurzer Fußmarsch bevor, bis wir die Höhlenwohnung erreichen. Überraschenderweise haben wir hier wirklich die Möglichkeit, uns vollständig eingerichtete und ganz offensichtlich noch bewohnte Räume anzuschauen, ohne von Souvenirhändlern gejagt zu werden. Lediglich das fürchterlich hustende Mütterchen, das am Eingang sitzt und Getreide mahlt, freut sich über ein paar Millimes für ihre Vorführung. Während wir uns durch die meist kargen Einrichtungsgegenstände in eine längst vergangene Epoche zurückversetzt fühlen, holt uns hier und da die Gegenwart in Form von einigen modernen Ausstattungsmerkmalen wieder ein, wie etwa das Bild einer Fußballmannschaft, das an der Wand eines Zimmers hängt. Auf dem Rückweg drückt uns unser freundlicher Dromedarführer mit dem Kommentar "Pour les photos" eine Visitenkarte in die Hand. Ein kurzer Brief mit den Fotos ist inzwischen auf dem Weg zu ihm; wir sind gespannt, ob wir eine Antwort von ihm erhalten.

Die Dromedarhirten binden einer Mutter ihr Neugeborenes auf den Rücken, damit sie mit dem Rest der Herde Schritt halten kann. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

In der Halbwüste taucht am Straßenrand unerwartet eine Dromedarherde auf. Klicken Sie auf das Bild, um die Ansicht zu vergrößern.

Inzwischen ist es später Nachmittag und wir machen uns mit dem Bus wieder auf Richtung Djerba. Einen nicht eingeplanten Halt machen wir noch, als in der Halbwüste am Straßenrand eine Dromedarherde auftaucht. Eines der Dromedare hat gerade Nachwuchs bekommen und wir bekommen zu sehen, wie die Dromedarhirten der Mutter ihr Junges auf den Rücken binden, damit sie mit dem Rest der Herde Schritt halten kann. Für die Rückfahrt nach Djerba wählt unser Fahrer nicht den Römerdamm, sondern die Fährverbindung vom Anlegeplatz in Djorf. Da trotz des Dammes die Fährverbindung recht frequentiert ist, haben wir hier genügend Zeit, auf der Terrasse eines Cafés den Tag bei einem Espresso gemütlich ausklingen zu lassen. Als wir bei einbrechender Dämmerung schließlich mit der recht betagten Fähre nach Djerba übersetzen, bekommen wir noch einige Delphine zu sehen, die in der Nähe graziös aus dem Wasser springen.



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