Der erste Abend in einer völlig anderen Welt
1. Tag (Montag, 30.11.98)
Mit knapp 20 Minuten Verspätung startet die Maschine der LTU am Nachmittag mit uns an
Bord vom Düsseldorfer Flughafen Richtung Djerba. Von der vor uns liegenden Woche im
Süden Tunesiens haben wir, was das Wetter angeht, keine allzu hohen Erwartungen.
Schließlich ist es fast Dezember und das Thermometer nähert sich bei uns bedrohlich
der Frostgrenze. Wir erhoffen uns von unserem knapp drei Flugstunden entfernten Reiseziel
lediglich ein wenig mehr Wärme und vielleicht ein paar mehr Sonnenstunden als bei uns.
Als die Maschine den kleinen Flughafen der Insel ansteuert, ist es bereits fast dunkel, aber
wir verlassen bei für unsere Verhältnisse angenehmen 18 Grad die Maschine.
Erstaunlicherweise müssen wir nicht lange auf unser Gepäck warten und auch die
Pass- und Zollkontrolle geht für südliche Verhältnisse erstaunlich
zügig. Schon wenig später sitzen wir im Bus, der uns zu unserem Hotel
"Dar Jerba" im Nordosten der Insel bringen soll. Während wir von den Klängen
orientalisch angehauchter Musik aus den Buslautsprechern berieselt werden, schauen wir
interessiert aus dem Fenster und lassen die ersten Eindrücke auf uns wirken. Da es dunkel
ist, die meisten Geschäfte aber noch geöffnet haben, bekommen wir in den kleinen
Dörfern, die wir durchfahren, einen ersten flüchtigen Eindruck vom Alltagsleben der
Djerbi. Schon nach recht kurzer Fahrt liegt das dörfliche Leben jedoch wieder hinter uns
und wir nähern uns der Hotelzone. Der Tourismus auf der gerade einmal rund 30 mal 30
Kilometer messenden Insel beschränkt sich fast ausschließlich auf dieses Gebiet.
Glücklicherweise haben die Djerbi beim Bau der Hotelanlagen nicht die Fehler anderer
Urlaubsgebiete gemacht, sondern auf Hochhäuser gänzlich verzichtet. Die nicht mehr
als zwei- bis dreistöckigen Hotels wurden zudem größtenteils im inseltypischen
Baustil errichtet und passen sich damit wenigstens halbwegs ins Landschaftsbild ein.
Das Einchecken in unserem Hotel läuft freundlich und zügig ab, ein Angestellter
bringt uns unsere Koffer ins Zimmer und zeigt uns mit knappen Worten die wichtigsten
Annehmlichkeiten: "Da Meer", lautet sein Kommentar, während sein Finger Richtung
Balkontür hinaus in die Dunkelheit zeigt. "Hier Kühlschrank", erklärt
er uns dann mit einem Blick auf die Klimaanlage. Als er schließlich freundlich
lächelnd in der Tür stehen bleibt, fällt uns ein, dass wir in diesem
orientalischen Land ohne reichlich Münzen in der Tasche nicht weit kommen werden.
Glücklicherweise ist er aber unserem deutschen Kleingeld keineswegs abgeneigt. Nachdem wir
uns ein wenig frisch gemacht haben, mieten wir zuerst einmal ein Schließfach an der
Rezeption und beheben bei dieser Gelegenheit auch gleich unser Geldproblem. Da der Wechselkurs
staatlich festgelegt ist (ein Dinar entspricht etwa 1,60 DM bzw. 0,82 EUR), gibt es den
Touristensport "Suche nach einer besonders günstigen Bank" in Tunesien nicht.
Nach dem Abendessen in dem uns zugewiesenen Hotelrestaurant beschließen wir unseren ersten
Tag mit einem kurzen nächtlichen Strandbummel.
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