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Die "Carolus Thermen" in Aachen
Übersicht Vergleich Tipps und Links Buchtipps Bericht Infos und Preise

Was im Hausprospekt der Carolus Thermen in Aachen - oder besser in Bad Aachen, wie es dort ganz korrekt heißt - vollmundig beschrieben wird, lässt nicht nur bei eingefleischten Thermalbad- und Saunaliebhabern das Herz höher schlagen. Die baltische Saunalandschaft, die orientalische Badewelt oder die Karawanserei sind nur einige Highlights, die einen neugierig auf mehr werden lassen. Der gehobene Eintrittspreis mag einen zwar im ersten Augenblick in die Realität zurückholen, er lässt aber andererseits auch hoffen, dass die Carolus Thermen tatsächlich das versprochene Gefühl einer Wohlfühl-Oase vermitteln können. Ob sich diese Hoffnung für uns erfüllt hat, soll dieser Bericht beschreiben.

Eingangsbereich Wer mit dem Auto anreist, wird keine Probleme haben, die Carolus Thermen zu finden. Ab der Autobahnabfahrt ist der Weg zu den Thermen perfekt ausgeschildert. Auch Parkplatzprobleme gibt es keine, denn das eigene Parkhaus bietet mehr als genügend Stellplätze. Allerdings werden für das Parken trotz des ohnehin schon hohen Eintrittspreises leider noch zusätzlich Gebühren fällig. Berieselt von einem Radioprogramm aus recht blechern klingenden Lautsprechern, gelangt man vom Parkhaus direkt in den edel wirkenden Eingangsbereich der Carolus Thermen. Die freundliche Dame an der Kasse versorgt uns mit den notwendigsten Informationen sowie mit einer gelben Plastikmünze, einem sogenannten "Chip Coin", der nicht nur als eine Art Besucherausweis dient, sondern auch den bargeldlosen Zahlungsverkehr im gesamten Bad ermöglicht. Das Bezahlen des Eintrittspreises sowie sonstiger in Anspruch genommener Zusatzleistungen erfolgt erst am Ende des Besuchs.

Sowohl in der Bade- als auch in der Saunalandschaft gibt es auf verschiedenen Etagen liegende Umkleidebereiche. Welchen Umkleidebereich man erwischt, ist zumindest für neue Besucher wohl eher reine Glückssache, aber auch nicht weiter entscheidend. Einen Schrankschlüssel erhält man, indem man sich ein freies Wertfach sucht, den Chip Coin in den Schlüssel steckt, seine Wertsachen deponiert, das Fach abschließt, den Schlüssel abzieht und den Schrank sucht, der zu der auf dem Schlüssel angegebenen Nummer passt. Diese Vorgehensweise klingt zwar etwas kompliziert, wäre aber durchaus einfach und praktisch, hätten die Badbetreiber hier nicht noch einige Hürden eingebaut. So muss man schon bei den Wertfächern auf die Unterscheidung zwischen Frauen und Männern achten, um den richtigen Schlüssel zu erhalten. Die Beschilderung macht es zudem nicht gerade einfach, auf Anhieb den Standort seines Schranks herauszufinden. Da ohnehin abschließbare Umkleidekabinen zur Verfügung stehen, leuchtet uns die penible Unterscheidung zwischen Männlein und Weiblein hier nicht ganz ein.

Wer nach der Prozedur des Umkleidens letztendlich den Weg in den Saunabereich gefunden hat, wird für alle Mühen entschädigt, denn das hier Gebotene kann sich wirklich sehen lassen und bietet in einem gediegenen Ambiente wirklich alles, was das Herz begehrt. Der Saunabereich besteht aus der baltischen Saunawelt mit angeschlossenem Saunagarten im 2. Obergeschoss sowie der eine Etage tiefer liegenden orientalischen Badewelt.

Orientalische Badewelt Die mit viel Holz geschmackvoll gestaltete aber mangels Bepflanzung etwas kahl und zudem recht düster wirkende baltische Saunawelt bietet neben einer Aufguss-Sauna, einer Kräuter-Sauna und einer Farblicht-Sauna auch eine Kaltwasserwelt mit einem Tauchbecken. Letzteres dürfte für unseren Geschmack allerdings ruhig eine Spur kälter und auch für weniger akrobatisch veranlagte Mitmenschen besser erreichbar sein. Die steile Leiter, die in das Becken führt, ist sicher gerade für ältere oder gehbehinderte Menschen nicht die optimale Lösung. Eine Reihe von Fußwärmbecken, ein gemütlicher Ruheraum mit Kamin, mehrere Solarien sowie das Restaurant "Lemon Grass" runden das Angebot dieses Bereichs ab. Das Selbstbedienungsrestaurant bietet in erster Linie verschiedene kleinere und größere Snacks sowie Salate zu durchaus fairen Preisen, die entweder im hellen und freundlichen Innenbereich oder - bei geeignetem Wetter - auch auf der angeschlossenen Terrasse verzehrt werden können. Von der baltischen Saunawelt führt eine Tür direkt in den hübsch gestalteten Saunagarten, der eine ganze Reihe weiterer Attraktionen zu bieten hat. Neben einer weiteren Aufguss-Sauna findet man hier drei weitere Saunen sowie ein recht ungewöhnliches österreichisches Stein-Bad mit einem recht milden Klima und einer ganz besonderen automatischen Aufgusstechnik. Ein recht großer Saunasee mit 30 °C warmem Wasser, eine Kaltwasserwelt sowie zusätzliche Ruhebereiche runden das Angebot im Saunagarten ab. Was Sonnenanbeter leider vergeblich suchen werden, ist eine Liegewiese, auf der man bei schönem Wetter nahtlos bräunen kann. Zwar steht ein sogenanntes "Sonnendeck" mit Liegen zur Verfügung, allerdings ist dies doch recht klein bemessen.

Wem das Angebot an Saunen und Wasseranwendungen im 2. Obergeschoss nicht ausreicht, der kann eine Etage tiefer in eine weitere Erlebniswelt eintauchen. Das Zentrum der orientalischen Badewelt bildet ein 34 °C warmer recht flacher Ruhepool, der sich unter einer großen Kuppel befindet, die dem ungarischen Rudasz-Bad nachgebildet wurde. Um den Pool herum sind die verschiedenen Bäder angeordnet. So findet man hier ein Laconium, ein Odorium, ein Tepidarium, zwei römische Bäder sowie ein türkisches Bad. Für die nötige Abkühlung nach dem Baden sorgt eine kleine Eis-, Schnee- und Wasserwelt. Für die Entspannung ist zudem ein Ruhebereich mit Liegen vorhanden.

Blick in die Badehalle Auch wenn der Saunabereich alleine eigentlich genug Abwechslung für einen mehrstündigen Aufenthalt zu bieten hat und es recht lästig ist, sich in die beengende Badebekleidung zu zwängen, so darf trotzdem ein Besuch des Thermalbereichs eigentlich nicht fehlen. Das Herzstück der großzügig und hell angelegten Badehalle bildet das große Innenbecken, in dem man bei einer Wassertemperatur von 32 °C in Aachener Mineral-Thermalwasser entspannen kann. Für Abwechslung sorgen hier verschiedene Wasserattraktionen wie Geysire, Massagedüsen und Sprudelliegen. Zusätzlich gibt es zwei ganzjährig nutzbare Außenbecken mit Wassertemperaturen von 31 und 33 °C und ebenfalls verschiedenen Wasserattraktionen sowie einem Strömungskanal. Für den Durst oder den kleinen Hunger zwischendurch gibt es auch im Thermalbereich eine Selbstbedienungs-Gastronomie; vom Balkon des "Bella Vista" hat man einen direkten Blick auf das Badetreiben. Zudem steht ein weiteres Restaurant mit dem vielversprechenden Namen "Mediterraneo" zur Verfügung, in dem mediterrane Küche zelebriert wird. Allerdings ist dieses Restaurant vom Bad aus nicht direkt erreichbar und kann daher nur vor oder nach dem Badbesuch genutzt werden.

Ein von den Carolus Thermen besonders hervorgehobenes Highlight ist die "Karawanserei". Dabei handelt es sich um einen orientalisch dekorierten Raum, in dem man auf weißem Sand liegend bei sanftem, wechselndem Licht und dezenter Musik entspannen kann. Auch wenn der weiße Sand in Wirklichkeit nur aus kleinen Kieselsteinen besteht, wäre die Illusion tatsächlich fast perfekt, wären da nicht die doch recht störend brummenden Trafos und die zumindest bei unserem Besuch zum Schluß völlig abrupt beendete Musikuntermalung. Ob sich, abgesehen von diesen technischen Problemen, ein Besuch der Karawanserei lohnt, muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, zumal das rund zwanzigminütige Erlebnis nicht im normalen Eintrittspreis enthalten ist.

Fazit: Auch wenn unser Bericht den einen oder anderen Kritikpunkt enthält, so können wir einen Besuch der Carolus Thermen eigentlich doch uneingeschränkt jedem empfehlen, der Erholung und Entspannung in einem exklusiven Ambiente sucht. Das Angebot befindet sich sowohl im Sauna- als auch im Thermalbereich durchaus auf höchstem Niveau und wird sicher auch verwöhnte Thermalbad- und Saunagänger zufrieden stellen; aufgrund des hohen Eintrittspreises kann man dies allerdings auch erwarten. Für einen erlebnisreichen Tagesausflug mit Kind und Kegel sind die Carolus Thermen, ebenso wie andere Thermalbäder auch, eher weniger zu empfehlen.

© 2001 Gaby Franken & Michael Waldmann
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der "Kur- und Badegesellschaft mbH, Kurverwaltung Bad Aachen"




www.fernweh.net © 2008 Gaby & Michael Waldmann